Bayerischer Rundfunk

    Eskalation in der Tarifauseinandersetzung

    14.6.2019

    Eskalation in der Tarifauseinandersetzung

    ARD und ZDF wollen Beschäftigte von der Lohnentwicklung im ÖD abkoppeln. Die Rechnung haben sie ohne uns gemacht!

    Auf Wunsch des BR war in der ersten Verhandlung am 12. April 2019 bei uns noch nicht über das Erhöhungsvolumen gesprochen worden, da der BR sich erst mit den anderen ARD-Anstalten, dem ZDF und DRadio abstimmen wollte. Wir haben aber als ersten Eckpunkt vereinbart, dass die unvermeidbaren Mehrkosten der Honorarstrukturreform nicht zu Lasten der Honoraretats gehen, sondern aus dem Volumen der anstehenden Gehalts- und Honorarerhöhungen finanziert werden.

    Inzwischen haben sich ARD, ZDF und DRadio untereinander abgestimmt:

    In der Tarifauseinandersetzung für die rund 30.000 Angestellten und die rund 18.500 arbeitnehmerähnlichen Freien von ARD, ZDF und Deutschlandradio stehen damit die Zeichen auf Eskalation: In den Verhandlungen bei den anderen Sendern boten diese Erhöhungen noch unterhalb der zu erwartenden Inflation an. Mehr als 1,9 bzw. 2 % Gehalts- und Honorarplus sei diesmal leider nicht drin, heißt es mit Verweis auf die angeblich klammen Kassen des öffentlichrechtlichen Rundfunks.

    Dabei hatte ver.di bereits Anfang März für die Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst der Länder eine gute Vorlage geliefert: Die Einigung sieht in drei Stufen innerhalb von 33 Monaten eine Anhebung der Gehälter mit einem Gesamtvolumen von 8 Prozent vor, mindestens aber um 240 Euro pro Monat, und zusätzlich noch etwa 1 Prozent zur aufwertenden Eingruppierung für bestimmte Berufe.

    Von dieser positiven Entwicklung sollen die Beschäftigten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks jetzt abgekoppelt werden!

    Als Maßstab wollen die Sender in den Verhandlungen stattdessen die Privatwirtschaft heranziehen, weil die Tätigkeiten eher vergleichbar wären. Selbst wenn das stimmen würde: Auch in der Privatwirtschaft hat es eine sehr gute Tarifentwicklung gegeben! Ausweislich des Statistischen Bundesamtes sind die Löhne 2018 so stark gestiegen wie seit 2011 nicht mehr, nämlich um 3,1% (Link).

    Die Sender machen eine Milchmädchenrechnung auf, um vor der Politik zu kuschen. Das ist der wahre Grund für diese inakzeptablen und jämmerlichen Angebote! Den Anstalten fehlt der Mut, bei den Ländern selbstbewusst das einzufordern, was diese für ihre eigenen Landesbeschäftigten und Beamt*innen just vereinbart haben. Die Intendantinnen und Intendanten lassen sich ein auf die Spirale aus Angst und Demut vor den Landesparlamenten und die Beschäftigten, Feste und Freie, sollen dafür bezahlen!

    Die ver.di-Kolleginnen und -Kollegen werden sich das nicht bieten lassen. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Demokratie in einer Zeit, in der der öffentliche Diskurs dank Facebook, Twitter und Co verroht. Sie setzen Leuchttürme seriöser Information, Analyse und Meinungen in das Meer der durchs Internet schwappenden Fake News und Hasstiraden. Der Druck auf die Anstalten steigt – ja! Der Druck in den Anstalten steigt ebenfalls – ja! Alle Kolleginnen und Kollegen spüren diesen Druck täglich. Und sie werden sich wehren, wenn sie dafür jetzt auch noch mit Gehalts- und Honorarsteigerungen abgespeist werden sollen, die unterm Strich zu Reallohnverlusten führen.

    ver.di kämpft für gute Tarife, für gute Arbeit, gutes Geld! Wir mobilisieren und treten mit unseren Mitgliedern für unsere Forderungen ein. Sichtbar, hörbar, stark in allen Anstalten, in allen Abteilungen – ver.di ist die eine Gewerkschaft für alle!

    Je mehr wir sind, desto mehr Druck können wir aufbauen. Auch im öffentlichen Dienst der Länder musste zuerst Druck gemacht werden, bevor das Ergebnis möglich wurde.

    Deswegen: Jetzt Mitglied werden!