Bayerischer Rundfunk

    unisono, BJV und ver.di lehnen das Angebot des Bayerischen Rundfunks …

    unisono, BJV und ver.di lehnen das Angebot des Bayerischen Rundfunks offiziell ab

    Mit Schreiben an den Bayerischen Rundfunk haben die Gewerkschaften unisono (ehemals DOV), BJV und ver.di heute erklärt, dass sie keines der vom BR angebotenen Pakete annehmen werden. Wir haben unsere Ablehnung der einzelnen Punkte ausführlich begründet und wollen unseren Mitgliedern unsere übermittelte Position auch nicht vorenthalten. 

    Stellungnahme der Gewerkschaften zum Tarifangebot des BR vom 30.9.2022

    Der BR hat eindringlich darum gebeten, möglichst rasch zu seinem Angebot Stellung zu nehmen, denn er wolle es bloß bis Mitte Oktober aufrechterhalten.  Hier haben wir unsere abgestimmten Positionen zusammengestellt, soweit das in der Kürze der Zeit möglich war.

    Zwölf Monate Laufzeit

    Die Gewerkschaften fordern unverändert einen Tarifabschluss mit 12 Monaten Laufzeit mit einer tabellenwirksamen Erhöhung von 5,75 bzw. 6,0%.  Das diesbezügliche Angebot des BR beinhaltet keinerlei tabellenwirksame Erhöhung und bietet bloß Einmalzahlungen von bis zu 1.500 Euro.  

    Damit kann der inflationsbedingte Kaufkraftverlust auch nicht im Entferntesten ausgeglichen werden.  Der Verbraucherpreisindex lag zum Zeitpunkt der letzten tabellenwirksamen Erhöhung (April 2021) bei 108,2 und war bis zum Beginn der anstehenden Laufzeit bereits auf 116,2 angestiegen.  Um diesen erlittenen Kaufkraftverlust auszugleichen, wäre eine tabellenwirksame Erhöhung um 7,4% erforderlich; insoweit darf man die Forderungen der Gewerkschaften als moderat bezeichnen.

    Das Angebot ist für uns völlig indiskutabel, auch nach mehreren Verhandlungsterminen konnte am Verhandlungstisch keine Annäherung erzielt werden.

    24 Monate Laufzeit

    Die Gewerkschaften wollen eine Laufzeit von 12 Monaten, weil das Umfeld momentan hochgradig volatil ist und niemand die Entwicklung über einen längeren Zeitraum vernünftig prognostizieren kann.  Dennoch haben wir uns bereit erklärt, uns das Angebot des BR mit 24 Monaten Laufzeit genauer anzusehen:

    Die angebotene tabellenwirksame Erhöhung des Angebots beträgt etwa 2,8%, was bei der langen Laufzeit von zwei Jahren einer Tarifsteigerungsrate von etwa 1,4% pro Jahr entspricht.  Damit kann der bereits eingetretene und noch zu erwartende Kaufkraftverlust nicht annähernd ausgeglichen werden.  Aktuell liegt die Teuerungsrate sogar bei etwa 10% pro Jahr.

    Daran ändert auch die angebotene Einmalzahlung von bis zu 2.800 Euro nichts, denn sie hat keinerlei Tabellenwirksamkeit – allerdings könnten wir die Einmalzahlung als Ausgleich für Leermonat, also für eine zeitlich verzögerte tabellenwirksame Erhöhung im ersten Laufzeitjahr akzeptieren, insbesondere wenn sie abgabenfrei erfolgen kann.  Die tabellenwirksame Erhöhung am Ende des und für das erste Laufzeitjahr dürfte dann aber nicht nur 2,8% betragen.

    Auch im zweiten Laufzeitjahr könnten wir uns eine ähnliche Vorgehensweise vorstellen:  Viele Leermonat mit einer Einmalzahlung erst gegen Ende der Laufzeit und für das zweite Laufzeitjahr wieder eine deutliche tabellenwirksame Erhöhung.

    Auch die an sich begrüßenswerte überproportionale Anhebung der Ausbildungsvergütungen ändert nichts an der insgesamt negativen Bewertung des Angebots.

    Gegenforderungen des BR

    Beide an sich schon viel zu niedrigen Angebote hat der BR aber an Gegenforderungen geknüpft.

    „Förderung des Nachwuchses“ (bei 12 und 24 Monaten)

    Der BR fordert eine Verlängerung der zulässigen sachgrundlosen Befristung von zwei auf sechs Jahre und begründet dies damit, dass das für die Betroffenen eine Verbesserung sei.  Die Gewerkschaften sehen befristete Beschäftigung als Nachteil für Betroffene. 

    Befristete Beschäftigungsverhältnisse sind nach Überzeugung der Gewerkschaften stets nicht im Interesse der Beschäftigten.  Aus Sicht eines Betroffenen spielt es dabei fast keine Rolle, ob die Befristung sachgrundlos oder mit Sachgrund erfolgt.

    Im Sinne eines Nachteilsausgleichs für befristet Beschäftigte gegenüber ihren unbefristeten Kollegen bieten wir an, über eine verbesserte Einstufung von befristet Beschäftigten unabhängig vom Vorhandensein eines Sachgrundes zu verhandeln.  Ohne ins Detail gehen zu wollen könnten wir uns vorstellen, Befristeten vom ersten Tag an die vor-vorletzte Stufe der jeweiligen Gehaltsgruppe zu gewähren.

    Die angebotene bedingte befristete Übernahmegarantie für Azubis sehen wir positiv und könnten uns vorstellen, dies als Sachgrund für eine Befristung auf sechs Jahre zu vereinbaren.

    „Stärkung der Freien Mitarbeit“ (bei 12 und 24 Monaten)

    Der BR hat 2021 die Verhandlungen über redaktionelle Mitarbeit abgebrochen und ein in einigen Punkten dem Verhandlungsstand nicht entsprechendes System einseitig eingeführt.  Nun sollen die Gewerkschaften dieses einseitige System schnell tarifieren.

    Um es den Gewerkschaften schmackhaft zu machen, sollen die vom BR einseitig gesetzten Schichthonorare zusätzlich zur angebotenen tabellenwirksamen Erhöhung von 2,8% um weitere 0,3% angehoben werden (insgesamt also um 3,1%).  Das kann aber natürlich keinesfalls ausgleichen, dass es bei bestimmten Honorarkennziffern eine deutlich größere Diskrepanz zwischen den vom BR einseitig gesetzten Schichthonoraren und den Vorstellungen der Gewerkschaften in den Verhandlungen 2021 gibt.

    Das Angebot, die Clustersprünge zu verdoppeln, entspricht in unseren Augen lediglich dem „Angebot“, die tabellenwirksame Erhöhung im ersten Laufzeitjahr ausfallen zu lassen:  Bei zwei linearen Erhöhungen in der 24-monatigen Laufzeit wären die Clustervorrückungen ja ebenfalls zweimal erfolgt.

    Das Angebot, die Weiterbildungshonorare zu erhöhen, nehmen wir aber zustimmend zur Kenntnis.

    Das Angebot, über alle weiteren, bislang noch strittigen Punkte nach dem Tarifabschluss weiter zu verhandeln, ist kaum erfolgversprechend:  Wir bestehen darauf, das Thema abschließend und komplett zu tarifieren – auch wenn die Verhandlungen dazu etwas mehr Zeit beanspruchen sollten.

    „Weitere Themen“ (nur bei 24 Monaten)

    Der BR verlangt eine Einlassungsabrede zu Langzeitkonto und anderen Strukturmaßnahmen.  Die Gewerkschaften sind generell bereit, sich konkrete Vorstellungen des BR anzuhören und gegebenenfalls auch inhaltlich darüber zu verhandeln – behalten sich aber natürlich die Option vor, gegebenenfalls bei einzelnen Themen jegliche Änderungen der bestehenden Tarifverträge abzulehnen.  Eine Vorfestlegung auf bestimmte „Leitplanken“ lehnen wir ab.

    „Ausbleiben klangkörperspezifischer Themen oder Angebote“

    Das Angebot des BR beschäftigt sich in keinem Punkt mit klangkörperspezifischen Themen, obwohl die relevanten Probleme spätestens seit Verhandlungsauftakt bekannt sein dürften. Die vorgelegte minimale tabellenwirksame Erhöhung von etwa 2,8% bei einer Laufzeit von 24 Monaten kann bei Ausbleiben einer zusätzlichen und zukünftig wirkenden Verbesserung der Vergütung des Symphonieorchesters des BR, des Münchner Rundfunkorchesters und des Chors des BR nicht akzeptiert werden.

    Kurzum, die Gewerkschaften lehnen beide Angebotsvarianten ab.